Kleinheubach wird Weinbaugemeinde
Zwangsmaßnahme: Großheubach veräußert Rebflächen in die Nachbargemeinde - Kerstin Bahnert neue Weinprinzessin
Großheubach. Es war das Tuschelthema Nummer eins in den vergangenen Tagen in Großheubach. Am gestrigen Nachmittag bestätigte Bürgermeister Günther Oettinger unserer Zeitung das Gerücht. »Ja, es stimmt, wir haben verkauft«. Aus »Großheubacher Bischofsberg« ist nun »Kleinheubacher Bischofsberg« geworden.
Die Großbuchstaben á la Hollywood in den Weinbergen gestern eilends umgeändert, der neue Schriftzug ist aber bislang noch von kaum jemandem bemerkt worden.
Die Gemeinde hatte die Weinberge von der staatlichen Hofkellerei Würzburg erst vor zwei Jahren abgekauft und jetzt schon wieder weiter veräußert. Der Unterzeichnung der Verträge im linken Trakt des Kleinheubacher Schlosses am Mittwochabend wohnte neben Bürgermeister Stefan Danninger auch Carl Friedrich Prinz zu Löwenstein bei, der die Gemeinde bei der Bewirtschaftung der Flächen und dem Ausbau der Weine berät und unterstützt.
»Den Gürtel enger schnallen« hieß es bereits am 24. März im Großheubacher Gemeinschaftshaus. Bei der Bürgerversammlung äußerte Bürgermeister Günther Oettinger, dass massive Einbrüche die Gemeinde zwinge, zu sparen. Was er aber der Bevölkerung bislang verschwieg, war der Plan, die Weinberge im Bereich der Buchstaben »Großheubacher Bischofberg« nach Kleinheubach zu veräußern.
»Ich konnte natürlich nichts sagen, bevor es nicht in trockenen Tüchern ist« meinte Oettinger, der über den Deal auf der einen Seite sichtlich betrübt ist. Gerade für den bekennenden Weinliebhaber war das ein sehr trauriger Schritt. »Mir blieb keine Wahl, es musste wieder Geld in die Kasse«. 700 000 Euro flossen vor kurzem in die Kindergarteneinrichtung St. Peter. Soviel solle der Verkauf der Weinberge eingebracht haben. Über den genauen Verkaufspreis schweigt sich Oettinger allerdings noch aus. Die Kooperation mit Kleinheubach sei durch den Verkauf enger geworden, besonders im schulischen Bereich. »Wir freuen uns natürlich, dass sich für Kleinheubach ein neuer Wirtschaftszweig ergibt«, meinte Stefan Danninger. »Natürlich sind wir in dieser Beziehung noch Frischlinge auf dem Gebiet, aber mit dem Weingut Fürst Löwenstein als kompetentem Partner werden wir das Kind schon schaukeln«, fügte der Bürgermeister weiter hinzu.
Keine Übergabe ohne Feier: Am heutigen Donnerstag um 10 Uhr findet am Ortsausgang Großheubach, rechter Hand den Weinbergen entlang, am ehemaligen Betriebsgebäude des staatlichen Hofkellers, die feierliche Übergabe statt. Der Weg dorthin ist mehrfach großzügig ausgeschildert. Beide Bürgermeister, Stefan Danninger und Günther Oettinger werden vor Ort sein. Nach dem offiziellen Teil spielt die Kapelle »Frisch Auf«. Als Schmankerl gibt es Bratspezialitäten von Weinbau Kremer.
Weinkrone für Kerstin Banert
Durch den großen Flächenverlust ist laut Weinprinzessinnenregel auch nun die Krone abzugeben: Die amtierende Weinprinzessin, Ann-Kathrin Kremer übergab schon am Mittwochabend, kurz nach der Vertragsunterzeichnung, die Krone an eine Kleinheubacherin. Die neue Weinprinzessin ist Kerstin Banert, sie ist 22 Jahre alt und macht gerade eine Ausbildung zur Logopädin. »Ich freue mich schon sehr auf meine neue Aufgabe und hoffe, dass ich mein Amt gut ausführen werde«, meinte die frischgebackene Prinzessin, die mit Wein bislang nicht so viel zu tun hatte. Doch immerhin ist ihr Vater Hobbywinzer und pflegt einige Weinranken auf seinem Grundstück. Eine kleine Überraschung will Carl Friedrich zu Löwenstein heute den Gästen servieren: Er stellt die eigens für Kleinheubach neu kreierte Rebsorte vor: Ein blauer Burgunder, ein robuster, spät reifer, trockener Rotwein, der eine Aromanote von grünem Paprika, grüne Bohnen und Bärlauch trägt. Die Farbe des Weines ist blaublütig.
Neben Probegläschen haben Gäste die Möglichkeit, eine Flasche des neuen Weines mit dem extra dafür designten Etikett käuflich zu erwerben. Die Anzahl der Flaschen ist begrenzt.
Quelle: Main Echo, 1.4.2010
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